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Vandenhoeck & Ruprecht. Wissenswertes seit 1735

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Meilensteine von Vandenhoeck & Ruprecht

Meilensteine aus 275 Jahren Verlagsgeschichte V&R

Göttingische Gelehrte Anzeigen (GGA)


Die 1739 gegründete Zeitschrift »Göttingische Gelehrte Anzeigen« ist das älteste noch bestehende Rezensionsorgan in deutscher Sprache. Albrecht von Haller (1708–1777), erster Präsident der Göttinger Gesellschaft der Wissenschaften, hat die Zeitschrift, die sich bis 1801 »Göttingische Anzeigen von Gelehrten Sachen« nannte, geprägt: das Streben nach polyhistorischer Vielseitigkeit, strenger und förderlicher Kritik sowie engster wissenschaftlicher Verbindung mit dem Ausland.
1753 übernahm die Königliche Gesellschaft der Wissenschaften (1751 gegründet) die Herausgabe des Organs. Nach dem Tod des Mediziners von Haller setzte sich der 1763 nach Göttingen berufene Klassische Philologe Christian Gottlob Heyne (1729–1812) für die Zeitschrift ein. Er wurde bereits 1764 zum Leiter der Universitätsbibliothek ernannt, die unter seiner Führung an Bedeutung gewann und zu einer Einrichtung wurde, die aus dem Alltag der Göttinger Professoren und Studenten nicht wegzudenken war. Heynes Engagement ist es auch zu verdanken, dass das Rezensionsorgan »Göttingische Anzeigen von Gelehrten Sachen« den Sprung ins 19. Jahrhundert bewältigte und fortgeführt wurde. » weiterlesen 

Versuch Schweizerischer Gedichte

Albrecht von Haller


Der Berner Patrizier, Mediziner, Botaniker und Dichter Albrecht von Haller (1708–1777) war ein Universalgelehrter, allerdings keiner, der am liebsten von der Umwelt abgeschottet in der Studierstube forschte, sondern ein wissenschaftlicher »Networker« in einem sehr modernen Sinn. Hallers Nachlass umfasst rund 17.000 Briefe, die er mit 1.200 Zeitgenossen wechselte und durch die er sich manche Reise ersparte.

1736 gelang es den Gründern der Göttinger Universität, den bereits hoch angesehenen 28-Jährigen auf den Lehrstuhl für Anatomie, Chirurgie und Botanik zu berufen. Hallers Annahme ließ man sich etwas kosten: Ihm wurde ein Wohnhaus errichtet, gleich daneben ein »Theatrum Anatomicum« sowie ein weitläufiger Botanischer Garten. Gegenüber erreichte der reformierte Schweizer, erstmals im lutherischen Göttingen, die Genehmigung zum Bau einer Kirche für die Reformierte Gemeinde (der indessen erst 1753 realisiert wurde). Da auch der reformierte Holländer Vandenhoeck dieser Gemeinde angehörte, gab es sicher manche Gelegenheit für ihn, Haller näherzukommen. Jedenfalls wurde er dessen Verleger in Deutschland. » weiterlesen 

Vorbereitung zur Weltgeschichte für Kinder

August Ludwig von Schlözer


Sachbücher für Kinder sind keine Errungenschaft des 20. Jahrhunderts. Eines der populärsten Kinderbücher des 18. Jahrhunderts war die »Vorbereitung zur Weltgeschichte für Kinder« (1779) von August Ludwig von Schlözer (1735–1809). Der Historiker und Publizist vertrat die Ansicht, Kinder sollten möglichst früh mit Rechten, Pflichten und gelehrten Kenntnissen konfrontiert werden. Sein Geschichtsbuch enthält auch Hinweise zur didaktischen Umsetzung des Stoffs durch »fleißige Kinderlehrer«, die vom Vorlesen über das Nacherzählen bis zum Selberlesen reichen und aus dem Lehr- zugleich ein Lern- und Lesewerk machen. In der Nachschrift zur 6. Auflage (1806) betonte Schlözer, sein Büchlein sei keineswegs nur für Söhne, sondern auch für Töchter bestimmt, damit sie, »16 Jahre alt, Zeitungen lesen und vom Weltlauf vernünftige nicht kannegießerische Notiz nehmen können«. » weiterlesen 

Staatsanzeigen


Der Vergleich mag irritieren, aber die »Staatsanzeigen« des Historikers August Ludwig von Schlözer (1735–1809) hatten im 18. Jahrhundert eine ähnliche Bedeutung wie heute das Hamburger Nachrichtenmagazin »Der Spiegel«. Schlözer unterhielt ein weitgespanntes Netz von Korrespondenten in ganz Europa und konnte so jeweils das Neueste in Politik und Kultur berichten. Egon Friedell schrieb in seiner 1928 erschienenen »Kulturgeschichte der Neuzeit« über die Zeitschrift: »Die […] Staatsanzeigen Schlözers, das einzige unabhängige politische Journal in deutscher Sprache, erschienen im freien Göttingen, das infolge der hannoverschen Personalunion fast eine englische Stadt war, hatten einen großen Einfluss: sie waren immer auf dem Schreibtisch Kaiser Josefs zu finden und Maria Theresia pflegte bei wichtigen Regierungsmaßnahmen zu bemerken: ›Was wird Schlözer dazu sagen?‹« » weiterlesen 

Historische Entwickelung der heutigen Staatsverfassung des Teutschen Reichs

Johann Stephan Pütter


Johann Stephan Pütter (1725–1807) kann zu Recht als Wunderkind des 18. Jahrhunderts bezeichnet werden: Im Alter von knapp 13 Jahren begann der Sohn eines Kaufmanns aus Iserlohn sein Jurastudium; mit 21 Jahren wurde er außerordentlicher, später ordentlicher Professor in Göttingen. Pütter war nicht nur ein begnadeter akademischer Lehrer: Seine Dienste als Anwalt und Staatsrechtler wurden regelmäßig vom Adel in Anspruch genommen. Auch das englische Königshaus zählte zu seinen Auftraggebern.

Wegen seiner klaren, prägnanten Ausdrucksweise war Pütter zugleich ein gesuchter Publizist. Sein wichtigstes Werk, die »Historische Entwickelung der heutigen Staatsverfassung des Teutschen Reichs«, erschien 1787 bei V&R. In der Buchbranche hatte er sich schon 13 Jahre zuvor, 1774, mit dem Rechtsgutachten »Der Büchernachdruck nach ächten Grundsätzen des Rechts geprüft« einen Namen gemacht. Pütters Lehrbücher waren begehrt und erreichten hohe Auflagen. Aufgrund seiner Schriften zur Rechts- und Verfassungsgeschichte gilt der Professor heute als erster deutscher Verfassungshistoriker. » weiterlesen 

Kritisch-exegetischer Kommentar über das Neue Testament

Heinrich August Wilhelm Meyer


Ein gutes Beispiel für den langen Atem, den Verlage, insbesondere Wissenschaftsverlage, benötigen, gibt der »Kritisch-exegetische Kommentar über das Neue Testament« (KeK) von Heinrich August Wilhelm Meyer (1800–1873). Das seit mehr als 175 Jahren lieferbare, immer wieder von neuen Theologengenerationen überarbeitete Werk ist einer der langlebigsten Titel der internationalen Buchhandelsgeschichte und das traditionsreichste Kommentarwerk der neutestamentlichen Wissenschaft.

Am Anfang stand eine Ausgabe des Neuen Testaments in griechischer Sprache mit deutscher Übersetzung. Herausgeber war kein Theologieprofessor, sondern ein gelehrter Dorfpfarrer, der, obgleich erst 27 Jahre alt, schon umfangreiches Material gesammelt hatte. Der Verleger Carl (2.) August Adolf Ruprecht schloss mit Meyer am 26. November 1827 – durchaus wagemutig – einen Verlagsvertrag. Doch er schätzte die Arbeitskraft des Theologen, dessen älterer Bruder Carl Joseph 1826 den Lexikonverlag Bibliographisches Institut gegründet hatte, richtig ein: Die zweibändige Ausgabe mit einem Gesamtumfang von 1.456 Seiten konnte 1829 erscheinen. Im zweiten Schritt sollte Meyer einen Kommentar erarbeiten. Geplant waren zwei Bände. Als das Werk 1859 komplett vorlag, war der Umfang jedoch auf das Achtfache angewachsen. » weiterlesen 

Das Göttinger Septuaginta-Unternehmen


Da die griechischsprachigen Juden den hebräischen Text des Alten Testaments (AT) nicht mehr verstanden, wurden im 3. Jahrhundert v. Chr. die kanonischen Bücher ins Griechische übertragen. Diese Septuaginta (lateinisch für 70, »LXX«) genannte Übersetzung liefert wichtige Aufschlüsse darüber, wie das griechisch-hellenistische Judentum das AT interpretierte. Ihren Namen verdankt die Schrift der Legende, wonach die Übersetzung in nur 72 Tagen von 72 Gelehrten gefertigt worden sein soll.

Der ursprüngliche Text der Septuaginta ging im Lauf der Jahrtausende verloren. Die Erforschung der überlieferten LXX-Fragmente hat an der Göttinger Universität aber eine lange Tradition, und auch V&R legte bereits im 18. Jahrhundert Editionen dieser Handschriften vor. Im Verlagsarchiv befindet sich beispielsweise die Ankündigung einer Vorlesung des Orientalisten Johann David Michaelis aus dem Jahr 1767 zum Thema sowie die 1774 veröffentlichte Edition einer 1772 in Rom entdeckten Daniel-Handschrift. Ebenfalls aus dem 18. Jahrhundert ist die 1775 bei V&R erschienene, von Hermann von der Hardt herausgegebene Hosea-Ausgabe mit den lateinischen Erläuterungen dreier Rabbiner. » weiterlesen 

Junge Kirche. Halbmonatszeitschrift für reformatorisches Christentum


Es ist sicher nicht übertrieben, die von Günther Ruprecht 1933 als Mitteilungsblatt der Jungreformatorischen Bewegung gegründete Zeitschrift »Junge Kirche« als wichtigste Publikation auf dem Gebiet der überregionalen kirchlichen Presse unter NS-Herrschaft zu bezeichnen: Die Jungreformatorische Bewegung, zu der sich in Berlin einige Theologen und Pastoren wie Walter Künneth, Hanns Lilje und Martin Niemöller aus Dahlem zusammengeschlossen hatten, lud am 9. Mai 1933 in- und ausländische Medienvertreter zu einer Pressekonferenz ins Berliner Hotel Adlon. Mit dem dort vorgetragenen »Aufruf zur Sammlung« erregte sie nicht nur einiges Aufsehen, sondern fand auch große Unterstützung in anderen Städten. Gemeinsam wollten die »Jungreformatoren« gegen die nationalsozialistische Glaubensbewegung Deutsche Christen antreten. » weiterlesen 

Gnosis und spätantiker Geist

Hans Jonas


Die Geschichte des Buchs »Gnosis und spätantiker Geist« ist die Geschichte der Treue eines Verlags zu seinem von den Nationalsozialisten vertriebenen Autor: Der Philosoph Hans Jonas (1903–1993), einer der bedeutenden Denker des 20. Jahrhunderts, hatte das Manuskript des ersten Bands (»Die mythologische Gnosis«) dem Verlag übergeben, bevor er im August 1933 nach London floh, der ersten Station seiner Emigration.

1934 konnte das bis heute lieferbare Buch dank des Engagements seines Lehrers Rudolf Bultmann erscheinen. Jonas erzielte damit den Durchbruch in der Deutung der Gnosis. Mit Hilfe der existenzialistischen Interpretation seines Lehrers Martin Heidegger hatte der Philosoph, der 1928 mit seiner Arbeit »Der Begriff der Gnosis« an der Marburger Philipps-Universität promoviert wurde, die komplizierten Mythen dieser spätantiken religiösen Bewegung entschlüsselt. Es ist Jonas’ Verdienst, dass der dualistische Geist der Gnosis heute als Wurzel des europäischen Denkens gilt. » weiterlesen 

Göttinger Predigtmeditationen


Ein wichtiges Hilfsmittel für den Pfarrdienst und eine Konstante im Programmbereich Theologie sind seit 1946 die »Göttinger Predigtmeditationen« (GPM). Entstanden aus den maschinenschriftlichen Predigthilfen, die der aus Ostpreußen stammende Systematiker Hans Joachim Iwand (1899–1960) nach dem Zweiten Weltkrieg für die geflüchteten ostpreußischen Pfarrer erarbeitete, waren die Texte als Hilfsmittel für diejenigen gedacht, die ohne ihre in der Heimat zurückgelassenen theologischen Bücher auskommen mussten.
Schon nach wenigen Wochen wurde der Verleger Günther Ruprecht auf die Predigthilfen aufmerksam und fragte Iwand, ob er die Meditationen nicht einer größeren Zielgruppe zugänglich machen wolle. Überall in Deutschland waren Bibliotheken in Flammen aufgegangen, Pfarrfamilien ausgebombt worden. Iwand zeigte sich begeistert und bewegte nahezu die gesamte Theologische Fakultät zur Mitarbeit. Als Herausgeber wurde der Praktische Theologe Wolfgang Trillhaas (1903–1995) gewonnen. » weiterlesen 

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