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Vandenhoeck & Ruprecht. Wissenswertes seit 1735

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Die ersten drei Jahrhunderte

Gründung des Verlags


Als Abraham Vandenhoeck (1700–1750) zum Druckerverleger und Buchhändler der noch im Aufbau begriffenen Göttinger Universität ernannt wurde, war er bereits ein erfahrener Kaufmann: Als junger Mann hatte er in seiner Heimat, den Niederlanden, und ab 1720 in London mit Büchern gehandelt. An der Themse lernte er seine spätere Frau Anne Parry (1709–1787) kennen, die er in den 1720er-Jahren heiratete. Spätestens 1732 zog das Ehepaar nach Hamburg, ohne dass Vandenhoeck aber seine Buchhandlung in London aufgegeben hätte.

Nach Göttingen holte ihn Gerlach Adolph Freiherr von Münchhausen (1688–1770), im Auftrag von Georg August, König von England, Kurfürst von Hannover, Gründer und erster Kurator der Georg-August-Universität. Münchhausen benötigte einen fachkundigen Drucker und Buchhändler, um die junge Universität mit Büchern zu versorgen. » weiterlesen 

Früher Tod des Verlagsgründers


Abraham Vandenhoeck sollten nur 15 Jahre bleiben, um seine Verlagsbuchhandlung aufzubauen, da er bereits im Alter von 50 Jahren starb. Der Buchhandel war in dieser Zeit noch überwiegend als Tauschhandel organisiert. Verleger, die wie Vandenhoeck neu auf den Markt kamen, standen unter enormem Produktionsdruck: Da auf den Messen Bogen gegen Bogen, Buch gegen Buch getauscht wurde, konnte Vandenhoeck die Produktion anderer Verlage in seinem Göttinger Ladenlokal nur anbieten, wenn er ein eigenes Programm vorzuweisen hatte. Ansonsten hätte er den umständlichen und teuren Weg der Verrechnung fremder Währungen gehen müssen. Der Vergleich der Messkataloge zeigt, dass Vandenhoeck, der 1735 mit zwei Novitäten begonnen hatte, seine Produktion kontinuierlich steigerte: 1749 brachte er 27 Werke zur Ostermesse, 1750 sogar 34, darunter so umfangreiche Titel wie die 1. Auflage der »Einleitung ins neue Testament« von Johann David Michaelis und drei Bände von Albrecht von Hallers großen anatomischen und physiologischen Werken.

Anna Vandenhoeck führt den Verlag weiter


Nach Abraham Vandenhoecks Tod im Hochsommer 1750 führte die geschäftstüchtige Witwe Anna seine Arbeit fort. Sie prägte das Haus bis 1787, also 37 Jahre und damit wesentlich länger als Vandenhoeck selbst. Um ihre Kräfte und Mittel auf Verlag und Buchhandlung konzentrieren zu können, hatte sie bereits am 2. August 1751 die Druckerei an die ab 1737 in Göttingen ansässige Druckerei Schultze verkauft.

Doch auch das Sortiment bereitete Sorgen: Anna Vandenhoeck war – mehr noch als ihr Ehemann – darauf bedacht, fremdsprachige Literatur anzubieten, um die Bedürfnisse der Professoren optimal zu erfüllen. Dies war auch deshalb wichtig, weil immer wieder neue Konkurrenz in die aufblühende Universitätsstadt drängte: Victorinus Bossiegel gründete 1751 eine Buchhandlung in Göttingen (die 1797 an V&R verkauft wurde). Parallel dazu diskutierten Regierungsvertreter und Professoren die Gründung einer »Weltbuchhandlung«. Mit ihr wollten die Gelehrten den Unzulänglichkeiten des Buchhandels begegnen, durch die ihrer Auffassung nach das Erscheinen wichtiger Werke sowie der Import ausländischer und der Export deutschsprachiger Werke behindert wurde. Als Startkapital der Aktiengesellschaft war die astronomische Summe von 100.000 Reichstalern im Gespräch, die von den Gelehrten selbst aufgebracht werden sollte.

Die »Weltbuchhandlung« wurde nicht realisiert, aber der niederländische Buchhändler Elias Luzak, der als Geschäftsführer vorgesehen war, siedelte sich 1754 in Göttingen an, wodurch die Verlegerin einen weltgewandten neuen Wettbewerber bekam.

Der erste Ruprecht im Verlag


Anna Vandenhoecks wichtigste Stütze in der Zeit nach Abraham Vandenhoecks Tod war Carl (1.) Friedrich Günther Ruprecht (1730–1816), der 1748, also noch zu Lebzeiten Vandenhoecks, als Lehrling in das Unternehmen eingetreten war. Carl, 20 Jahre jünger als Anna Vandenhoeck, hätte ihr Sohn sein können.

Zwischen den beiden entwickelte sich schnell ein intensives Vertrauensverhältnis. 1758, während des Siebenjährigen Krieges (1756–1763), ernannte Anna Vandenhoeck den 28-Jährigen zum Geschäftsführer, was sie jedoch nicht daran hinderte, bis kurz vor ihrem Tod sämtliche Autorenverträge selbst zu unterzeichnen.

Nachdrucke und Tauschhandel


Ein großes Problem des 18. und 19. Jahrhunderts, das auch Vandenhoeck als Wissenschaftsverlag stark betraf, waren die Nachdrucke. Um ihre Missbilligung deutlich zu machen, bot die Göttinger Verlegerin dem Juristen Johann Stephan Pütter 1774 ein Forum für seine Schrift »Der Büchernachdruck nach ächten Grundsätzen des Rechts geprüft«. Auch in einem anderen Punkt leistete der Verlag innerhalb der Buchbranche Grundlagenarbeit: Ihr Verlag war einer der ersten im norddeutschen Raum, der den Tauschhandel ablehnte und seine Bücher an den Buchhandel verkaufte. Dass sie sich diese Position leisten konnte, ist als weiterer Beleg für die Bedeutung zu werten, die der 1735 gegründete Verlag bereits in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts besaß.

Zunehmende Etablierung des Buchhandels


Das eindrucksvollste Spiegelbild des Lebenswerks von Anna Vandenhoeck aber ist die zweibändige Bibliografie aus dem Jahr 1785, die zwei Jahre vor ihrem Tod festhält, welche Bücher Abraham und Anna Vandenhoeck bis Ende 1783 »aus eigener Produktion und aus fremden Verlagen« geführt haben. Auch mit dem zu Beginn der 1780er-Jahre gegründeten Lesezirkel, in dem ausländische Zeitschriften und Zeitungen angeboten wurden, bewies der Verlag, dass er am Puls der Zeit war und an der Popularisierung des Buchs und der Bildung aktiv mitwirkte. Mittel dazu hatte Anna Vandenhoeck sich inzwischen in hinreichendem Maß erarbeitet. Der für seine Aphorismen bekannte Göttinger Experimentalphysiker Georg Christoph Lichtenberg (1742 bis 1799) schrieb am 25. Januar 1781 in einem seiner Briefe von der »reichen Madam Vandenhoeck«.

Anna Vandenhoecks Tod und die Übernahme durch Carl Ruprecht


Nach dem Tod der Verlegerin 1787 übernahm Carl (1.) Ruprecht das Unternehmen und leitete es noch 30 Jahre, bis zu seinem Tod im Jahr 1816. Danach übernahm sein 25-jähriger Sohn Carl (2.) August Adolf Ruprecht den Verlag. Zu dessen bekannteren Autoren zählten der Jurist Karl Friedrich Eichhorn (1781 bis 1854), der Theologe Heinrich August Wilhelm Meyer (1800–1873; siehe S. 28) sowie der Mediziner Friedrich Benjamin Osiander (1759–1822), den allerdings bereits Carl (1.) Ruprecht unter Vertrag gehabt hatte.

Von 1847 an wurde Carl (2.) von seinem Sohn Carl (3.) Johann Friedrich Wilhelm Ruprecht unterstützt, der sich mit Fachbibliografien für Medizin, Chemie, Philologie, Geschichte und Theologie in aller Welt einen Namen machte.

Zunehmende Spezialisierungen

In der Ära des 3. Ruprecht, der den Verlag von 1861 an allein leitete, zeichnete sich eine Spezialisierung auf die Gebiete Theologie, Philologie, Pharmakologie und Schulbuch ab.

Zu neuer Blüte gelangte der Verlag durch die systematische Programmarbeit der vierten Verlegergeneration. Mit dem Eintreten der Brüder Wilhelm und Gustav Ruprecht in den Verlag (1887) wurden Theologie und Philologie gestärkt. Es entstanden wissenschaftliche Reihen, die bis heute gepflegt werden, auch eine Sammlung indogermanischer Lehr- und Wörterbücher erschien.

Druckerei und Buchhandel


1914 entschloss sich die Familie Ruprecht, die in Konkurs geratene Buchdruckerei Hubert & Co. zu übernehmen. Wie zuletzt zu Abraham Vandenhoecks Zeiten gehört damit neben dem Verlag wieder eine Druckerei zum Unternehmen. 1929 kam die Deuerlichsche Buchhandlung dazu, die bis 2004 gehalten und dann an Weiland verkauft wurde.

Erster Weltkrieg und die nachfolgenden Jahre


Im Ersten Weltkrieg geriet V&R – wie viele andere Verlage auch – in eine schwierige Situation. Die Nachfrage nach wissenschaftlichen Büchern und Zeitschriften ging zurück. Nach Kriegsende und erneut nach der Weltwirtschaftskrise beeinträchtigten astronomische Papierpreise die Produktion erheblich. In den 1930er-Jahren beruhigte sich die wirtschaftliche Lage vorübergehend.

Durch ihre Söhne Günther (ab 1923 im Verlag) und Hellmut Ruprecht (ab 1928) erfuhren die beiden Verleger der vierten Generation Unterstützung. 1932 wurde der vorwiegend orientalistische Verlag E. Pfeiffer (Leipzig) gekauft, 1935 konnte aus der Liquidation des praktisch-theologischen Verlags Reuther & Reichard (Berlin) das »Lehrbuch der Liturgik« übernommen werden.

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