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Vandenhoeck & Ruprecht heute
Unternehmen, die sich über mehrere Generationen bewähren, sind lernende Organisationen, die sich immer wieder häuten, ohne dabei ihre Identität zu verlieren. Veränderungen werden als etwas Positives begriffen, als Voraussetzung dafür, sich über einen längeren Zeitraum in einem sich permanent wandelnden Markt bewähren zu können.
V&R hat sich in den 275 Jahren seines Bestehens mehrfach »gehäutet« – meist in kleinen, aber effektiven Schritten, die von außen häufig unbemerkt blieben. Dazu beigetragen hat auch der Sitz des Verlags, denn ein Standort fernab der Metropolen erleichtert konzentriertes Arbeiten. Mit Gründung der Universität im Jahr 1737 hat sich Göttingen in sehr kurzer Zeit von einem im 18. Jahrhundert noch als »Ackerstädtchen« bezeichneten Ort zur Universitätsstadt gewandelt. Heute wirbt Göttingen mit dem Slogan »Stadt, die Wissen schafft«.
Seit 275 Jahren sind acht Verlegergenerationen, tüchtige Prokuristen und die jetzigen Bereichsleiter aktiv an diesem Prozess beteiligt. Mit seinem Programm trägt der Verlag dazu bei, den Wissenschaftsstandort Göttingen weltweit zu vernetzen.
Im 21. Jahrhundert geht dies in vielerlei Hinsicht leichter als zum Zeitpunkt der Gründung: Seinerzeit wurden Bücher, zu Ballen geschnürt, über die Weltmeere geschickt. Heute ermöglichen moderne Technologien, dass Bücher und Zeitschriftenbeiträge binnen Sekunden auf anderen Kontinenten gelesen werden können.
Trotz aller Veränderung differieren die Themen, die auf den Verlagskonferenzen abgehandelt werden, zu Beginn des 21. Jahrhunderts gar nicht so sehr von denen, über die sich Abraham Vandenhoeck Mitte des 18. Jahrhunderts mit seiner Gattin und Nachfolgerin Anna Vandenhoeck austauschte: Das Gründerpaar hatte sich mit Raubdruckern auseinanderzusetzen; die heutige V&R-Geschäftsführung steht vor dem Problem des Umgangs mit unerlaubt kopierten elektronischen Dokumenten.
Auch hinsichtlich der Qualität gibt es Parallelen: Anna Vandenhoeck und ihr Geschäftsführer Carl (1.) Ruprecht trennten sich 1751 u.a. deshalb von der verlagseigenen Druckerei, weil sie sich, um ihre Setzer auszulasten, oft veranlasst sahen, Bücher in den Verlag zu nehmen, die eigentlich hätten abgelehnt werden müssen. Der Verkauf war also auch ein Beitrag zur Programmqualität und Qualitätssicherung – ebenso wie 2002 die Gründung des Tochterunternehmens V&R unipress.


