Der Große Ploetz. Die Enzyklopädie der Weltgeschichte.
Carl Ploetz
Zeitgenossen kannten Carl Julius Ploetz (1819–1881) als Vater des modernen Sprachunterrichts. Der Französischlehrer, der am Katharineum in Lübeck und am Französischen Gymnasium in Berlin unterrichtete, war mit seinen Lehrwerken ein Bestsellerautor des 19. Jahrhunderts. Fast alles, was der Sohn eines Berliner Wachtmeisters schrieb und im eigens für ihn gegründeten Verlag seines Sohnes veröffentlichen ließ, verkaufte sich bestens. Als er 1859 seine Lehrerstelle aufgab, war er ein wohlhabender Mann. Nach ausgedehnten Reisen durch Europa ließ er sich in Paris nieder und schrieb 1855 sein bekanntestes Buch: den »Auszug der alten, mittleren und neueren Geschichte«, eine kompakte Datensammlung für den Geschichtsunterricht, deren erste Ausgabe 1863 erschien.
Selbst der erfolgsverwöhnte Ploetz hätte es sich nicht träumen lassen, dass sein Nachschlagewerk Generationen von Schülern, Studierenden und historisch Interessierten die Geschichte der Menschheit erschließen würde. Aus dem »Auszug« entwickelte sich im Lauf der Jahrzehnte »Der Ploetz«, und was der Duden für die deutsche Sprache ist, wurde er für die Weltgeschichte: eine Instanz in Zweifelsfällen.
Mit den Jahren und dem Erfolg wuchsen die Ansprüche – und der Umfang. Schon Ploetz ließ seinen »Auszug« mit der dritten Auflage 1869 in »Hauptdaten der Weltgeschichte« umbenennen und erweiterte sein Werk auf 500 Druckseiten.
Der Erfolgstitel erschien bis 1976 im 1880 gegründeten Verlag Alfred Georg Ploetz. 1880 erwarb der Karl-Alber-Verlag die Rechte. Dieser wurde 1935 vom Herder Verlag übernommen, wo der »Ploetz« und seine Derivate unter der Bezeichnung »Ploetz im Verlag Herder Freiburg« erschienen.
Die neueste, 35. Auflage des »Großen Ploetz« wurde unter der Leitung des Herder-Redakteurs Dieter Geiß von mehr als 80 Historikern vollständig überarbeitet und 2008 in Lizenz bei V&R veröffentlicht. Sie umfasst 2.128 Seiten und ist durchgehend vierfarbig. Ein neuer, zweispaltiger Satz in moderner Typografie macht das Werk lesefreundlicher. Leitfarben helfen bei der Orientierung, und neben den Karten erweitern 250 Stammtafeln wichtiger Dynastien, Schaubilder zu Verfassungen und Staatsformen sowie Tabellen das Informationsangebot des Klassikers.
Seine Karriere als Standardwerk verdankt »Der Ploetz« der »objektiven Zusammenstellung der Tatsachen in übersichtlicher Gruppierung«, wie es der Autor nannte. Schon der Ur-»Ploetz« war im Kern nach dem eingängigen, längst sprichwörtlichen »Ploetz-Prinzip« gegliedert: Oberste Ordnungsebene sind die bekannten Epochen Altertum, Mittelalter, Neuzeit. Innerhalb dieser Epochen wird nach Staaten, Reichen und Regionen sortiert, wobei chronologisch geordnete Daten das Rückgrat bilden.
Was den »Ploetz« auszeichnet, ist seine Vielseitigkeit: Er ist Geschichtsbuch für Schüler, Studierende und alle historisch Interessierten. Er dient als Lexikon, als historisches Wörterbuch, als Länderkunde und als Enzyklopädie der Weltgeschichte.
Um den spezialisierten Interessen moderner Leser zu entsprechen, werden immer wieder neue Derivate entwickelt: 2009 kam »Der Große Ploetz. Atlas zur Weltgeschichte« heraus; 2010 erscheinen »Der Große Ploetz. Die Chronik der Weltgeschichte« und »Der Große Ploetz. Deutsche Geschichte«.


