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Wissenschaft und Glaube

Ian Graeme Barbour


Mit »Wissenschaft und Glaube« von Ian Graeme Barbour (*1923) erschien 2003 der erste Band der Reihe »Religion, Theologie und Naturwissenschaft« (RThN), europaweit die erste wissenschaftliche Reihe zum Dialog zwischen diesen drei Disziplinen. Deren Verhältnis zueinander ist keineswegs unproblematisch: In der Biologie beispielsweise sorgen die Evolutionstheorie und die Neurophysiologie für Sprengstoff, während in der Physik Kosmologie und Quantenphysik neue Diskussionen auslösen.

Gründungsherausgeber der zweisprachigen Reihe (Deutsch/Englisch) waren Antje Jackelén (damals Chicago, heute Lund), Gebhard Löhr (Göttingen), Ted Peters (Berkeley) und Nicolaas A. Rupke (Göttingen), mittlerweile Willem B. Drees (Leiden).
Die Herausgeber knüpfen über ihren universitären Rahmen hinaus Verbindungen zu internationalen Wissenschaftsorganisationen wie der European Society for the Study of Science and Theology (ESSSAT), zum Center for Theology and Natural Science (CTNS) sowie zum Metanexus Institute in Pennsylvania (USA) und der Zeitschrift Zygon (Journal of Religion & Science). 

Dass die Reihe mit einem Titel eröffnet werden konnte, der aus der renommierten schottischen Vorlesungsreihe »Gifford Lectures« hervorgegangen ist, war geradezu ideal. Barbour, selbst Theologe und Physiker, stellt in »Wissenschaft und Glaube« die Frage, welcher Gottesbegriff mit einem naturwissenschaftlichen Weltbild zu vereinbaren ist. Das Buch, ein Meilenstein der Fundamentaltheologie, wurde 1999 mit dem US-amerikanischen »Templeton Prize for Progress in Religion« ausgezeichnet.

Barbour legt eine Interpretation des Christentums vor, die sowohl dem biblischen Glauben als auch der zeitgenössischen Naturwissenschaft entspricht. Anhand der Beispiele Galileo Galilei (1564 bis 1642), Isaac Newton (1643–1727), Immanuel Kant (1724–1804), Charles Robert Darwin (1809 bis 1882) und anderer Forscher zeigt er die Wechselwirkungen zwischen Naturwissenschaft und Religion seit dem 17. Jahrhundert. Die aktuelle naturwissenschaftliche Forschung und deren Bedeutung für das Verständnis von Gott und Mensch werden ausführlich dargestellt. Dabei gelingt es Barbour, komplexe Sachverhalte wie die Relativitätstheorie zu erklären und zu theologischen Inhalten wie der Schöpfungslehre in Beziehung zu setzen.

Die Brücke zwischen den Disziplinen hat auch Philip Clayton (*1956) mit »In Quest of Freedom« (2009) geschlagen. Er fragt, ob und – wenn ja – wie angesichts der neuesten naturwissenschaftlichen, theologischen und philosophischen Erkenntnisse noch von menschlicher Freiheit oder auch menschlicher Willensfreiheit auszugehen sei. Erzwingen die Fortschritte der Neurowissenschaften die radikale Revision oder gar den Abschied von bisherigen fundamentalen philosophischen und theologischen Überzeugungen in Bezug auf die Freiheit und die Selbstverantwortlichkeit des Menschen?

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