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Platon Werke. Übersetzung und Kommentar


Er ist der erste europäische Philosoph, dessen Schriften vollständig erhalten sind, und dennoch mussten die klassischen Philologen und Philosophen jahrzehntelang ohne eine moderne und kommentierte deutsche Übersetzung seiner Werke auskommen. Ernst Heitsch, zum Zeitpunkt der Editionsplanung Vorsitzender der Mainzer Akademiekommission für Klassische Philologie, wollte diesen Zustand beenden. 1991 fand er in Carl Werner Müller einen Co-Herausgeber und in V&R den ihm bereits verbundenen Verlag, der sich auf das Großprojekt einließ und gleichzeitig sein Bekenntnis zur altphilologischen Tradition erneuerte: 36 Bände sollen das Werk des griechischen Schriftstellers Platon (427–347 v. Chr.) erschließen, das aus Dialogen besteht – nach Platons Ansicht die einzig angemessene Art, philosophische Inhalte aufzuzeichnen. Jedes Thema wird von einem speziell dafür ausgewiesenen Wissenschaftler übersetzt und kommentiert. 

1993 erschien als erster Band der Frühdialog »Phaidros«. Von der Kritik wurde die Edition, die mit Auflagen von 800 Exemplaren startete, hoch gelobt: So schrieb die »FAZ« 1993 zum Erscheinen des »Phaidros«: »Wenn die übrigen 35 Bände […] annähernd das Niveau des ersten erreichen, wird die Platon-Forschung am Ausgang unseres Jahrhunderts eine säkulare Leistung vollbracht haben.«

Den Zeitplan konnten die Wissenschaftler – wie bei vielen derartigen Vorhaben – nicht einhalten. Eigentlich sollte das Projekt 2010 abgeschlossen sein. Tatsächlich liegen bisher nur 13 der 36 Bände vor. Dies hängt auch damit zusammen, dass die Autoren der Einzelbände die Chance, Platon im Rahmen einer Gesamtausgabe zu interpretieren, sehr genau nehmen: Heinz-Günther Nesselrath z.B. hat der 17-seitigen Übersetzung des Dialogs »Kritias« einen 480-seitigen Kommentar beigefügt und darin den Altersstil Platons so exakt erläutert, dass der Band auch als Grammatik zu benutzen ist.

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