Das Wesen des Geldes
Joseph Alois Schumpeter
Eine höchst ungewöhnliche Geschichte verbirgt sich hinter dem Buch »Das Wesen des Geldes« von Joseph Alois Schumpeter. Der Nationalökonom hatte das Manuskript in den 1920er-Jahren verfasst. 1929 kündigte der Verlag Julius Springer es mit dem Titel »Geld und Währung« an.
Der damals in Bonn lehrende österreichische Ökonom entschied sich angesichts der Weltwirtschaftskrise, das »Geldbuch« noch einmal zu überarbeiten. 1929 übergab er sein Manuskript dem Bonner Ökonomen Arthur Spiethoff, der es in seinem Safe verwahren sollte, während Schumpeter eine Weltreise machte. 1931 teilte der reiselustige Experte Spiethoff mit, es solle keine Veröffentlichung geben. Hintergrund dieser Entscheidung war, dass ein Jahr zuvor John Maynard Keynes seinen »Treatise on Money« publiziert hatte, der sich inhaltlich in vielen Punkten mit Schumpeters Arbeit überschneidet.
Nachdem Schumpeter 1932 seine Professur in Harvard angetreten hatte, nahm er sich das Manuskript aus dem Jahr 1929 doch noch einmal vor. Publikationen über die Weltwirtschaftskrise verzögerten die Überarbeitung allerdings ein weiteres Mal. Ende der 1930er-Jahre wurde eine englischsprachige Ausgabe des »Geldbuchs« angekündigt, die aber nie erschienen ist. Erst 41 Jahre nach der Ankündigung durch Springer und 20 Jahre nach Schumpeters Tod wurde das Buch 1970 bei V&R veröffentlicht, herausgegeben von dem Finanzsoziologen Fritz Karl Mann, der es in Harvard im Nachlass des Autors gefunden hatte. Es enthält das Zitat, mit dem Schumpeter bis heute verbunden wird: »Der Zustand des Geldwesens eines Volkes ist ein Symptom aller seiner Zustände.« Als V&R 2008 eine Neuauflage vorlegte, urteilte die »F.A.Z.«: »Obgleich das Manuskript fast 80 Jahre alt ist und auf noch älteren Vorarbeiten gründet, lässt es sich noch heute mit Gewinn lesen.«


