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Wie man ein Kind lieben soll

Janusz Korczak


Der polnische Arzt, Schriftsteller und Pädagoge Janusz Korczak (1878–1942) hat zahlreiche Veröffentlichungen und Manuskripte hinterlassen. Essays und Romane sind ebenso darunter wie kinderpsychologische Schriften und Abhandlungen. Sein wichtigstes pädagogisches Werk ist das vierteilige Manifest »Wie man ein Kind lieben soll«. Korczak, der mit bürgerlichem Namen Henryk Goldszmit hieß und Jude war, verfasste das Standardwerk während des Ersten Weltkriegs als Divisionsarzt der russischen Armee. Seine handschriftlichen Notizen wurden jeden Abend von seinem Burschen abgetippt. 1919 erschien der erste Teil (»Das Kind in der Familie«) in Polen. Bereits ein Jahr später erweiterte Korczak ihn durch drei Kapitel (»Das Internat«, »Sommerkolonien« und »Das Waisenhaus«) zu einem Leitfaden der pädagogischen Ausbildung.

Die im Feldlazarett entstandene Abhandlung wurde in Polen hymnisch aufgenommen. Korczaks »Pädagogik der Liebe« liegt der Gedanke zu Grunde, dass die uneingeschränkte Achtung des Kindes durch die Erwachsenen das Kind lehrt, andere Menschen zu respektieren. Wesentlicher Bestandteil seines Programms für das Waisenhaus »Dom Sierot«, in dem er selbst bei den Kindern wohnte, war die Einübung von Verantwortung: So beteiligte er die Kinder an der Selbstverwaltung und weckte damit Verständnis für die Probleme des Zusammenlebens. Seine eigene Verantwortung bewies er dadurch, dass er seine Waisenkinder 1942 freiwillig aus dem Warschauer Ghetto in das Todeslager Treblinka begleitete. 

Die junge Psychologin und spätere Pädagogikprofessorin Elisabeth Blochmann lernte den Arzt 1928 in dem von ihm geleiteten Warschauer jüdischen Waisenhaus kennen und war von seiner Arbeit tief beeindruckt – so sehr, dass sie an den Göttinger Pädagogikprofessor Herman Nohl schrieb, sie wolle Korczaks Werk, »das in Polen großes Aufsehen« mache, ins Deutsche übersetzen.

Dazu sollte sie aufgrund der politischen Umstände aber nicht kommen. Die deutsche Übersetzung wurde erst Jahrzehnte später – 1967 – von der Göttinger Pädagogin Elisabeth Heimpel zusammen mit Hans Roos, Professor für Osteuropäische Geschichte, bei V&R herausgegeben. Das Buch begründete 25 Jahre nach Ermordung des polnischen Arztes in Treblinka das Engagement des Göttinger Verlags für die Werke Korczaks. Für das Vorwort konnte V&R Korczaks früheren Sekretär Igor Newerly (1903–1987) gewinnen, der schon dessen »Ghetto-Tagebücher« ediert hatte.

Die große Resonanz, die Korczak, mitunter auch der »polnische Pestalozzi« genannt, in Polen und später auch im deutschen Sprachgebiet fand, beruhte nicht zuletzt auf seinem erzählerischen Talent. Dies gilt vor allem für seine Geschichten vom Kinderkönig, in deutscher Übersetzung bei V&R unter den Titeln »König Hänschen I.« (dt. 1970) und »König Hänschen auf der einsamen Insel« (dt. 1972) erschienen. Der Pädagoge Hartmut von Hentig schrieb, hier werde »nicht die Welt der Kinder vom Erwachsenen her, sondern die Welt der Erwachsenen vom Kind her erfahren und gedeutet«.

1972 wurde Korczak postum mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geehrt, was sich nachhaltig auf den Buchabsatz auswirkte. Vor allem die Hauptwerke des polnischen Pädagogen finden immer neue Leser. V&R verkaufte die Korczak-Bücher (ungerechnet die zahlreichen dtv-Auflagen) in einer Gesamtauflage von 220.000 Exemplaren. Wie populär der Autor ist, zeigt sich auch an den vielen Janusz Korczak-Schulen, die es in Deutschland inzwischen gibt, und an der Resonanz auf die Janusz Korczak-Gesellschaft.

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