Ausbau der Theologie, der Geistes- und Wirtschaftswissenschaften
Als 1958 mit den Vettern Arndt und Dietrich Ruprecht die sechste Generation in den Verlag eintrat, ging der Ausbau der Theologie, Geistes- und Wirtschaftswissenschaften mit noch größeren Schritten voran. Neue Bausteine wie die Originalausgaben vorbehaltene »Kleine Vandenhoeck-Reihe« ermöglichten den Einstieg ins auflagenstarke Taschenbuch.
Das breite Programm erwies sich in den frühen 1970er-Jahren als hilfreich: Als infolge der 1968er-Bewegung an den Hochschulen die Nachfrage nach historisch-philologisch orientierten Büchern nachließ, konnte V&R die fehlenden Umsätze mit den Programmsegmenten Mathematik, Wirtschaftswissenschaften, Psychotherapie, Pastoralpsychologie, Seelsorge und Religionspädagogik kompensieren – und mit den Titeln von Janusz Korczak, die sich nach der postumen Friedenspreisverleihung (1972) großer Nachfrage erfreuten.
Aber auf Dauer ließ sich die bisher erfolgreiche Programmdiversifikation nicht mit der erforderlichen Intensität fortführen. Anders als große Wissenschaftsverlage konnte V&R Lektorate und Vertrieb personell nicht so aufstocken, dass es möglich gewesen wäre, die Entwicklungen der sich stärker differenzierenden Fachbereiche im notwendigen Umfang zu begleiten. Auch verschärfte sich die Konkurrenz dramatisch. In der Mathematik und den Wirtschaftswissenschaften erschwerte die zunehmende Dominanz der englischsprachigen Literatur die Situation. Der Verlag reagierte mit der Konzentration auf konkurrenzfähige Programmschwerpunkte und mit einer Stärkung des Marketings, um seine Präsenz im Handel und in den Zielgruppen abzusichern.


