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Evangelisches Kirchenlexikon

herausgegeben von Otto Weber und Heinz Brunotte


In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Nachschlagewerke zu einem wichtigen Standbein von V&R. Sie sollten dazu beitragen, wissenschaftliche Erkenntnisse einem größeren Leserkreis zugänglich zu machen.

Zu den wichtigsten Publikationen gehörte das »Evangelische Kirchenlexikon« (EKL). Um nicht ganz von vorn anfangen zu müssen, nahm Günther Ruprecht 1950 Kontakt mit dem Calwer Verlag auf; im Verbund mit dem württembergischen Verlag sollte das zweibändige »Calwer Kirchenlexikon« (1937–41) erneuert werden. Die beiden Verlage lagen inhaltlich aber zu weit auseinander: Ruprecht war es sehr wichtig, die sich formierende Ökumene zu berücksichtigen, während der Calwer Verlag an seiner traditionell württembergischen Ausrichtung festhalten wollte. Ende April 1953 einigten sich die beiden Verlage deshalb darauf, dass V&R das EKL allein in Angriff nehmen sollte. 

Als Herausgeber des Lexikons konnte Ruprecht die Theologen Heinz Brunotte (1896–1984) und Otto Weber (1902–1966) gewinnen, die von acht Fachberatern unterstützt wurden. Mit der Koordination der redaktionellen Arbeiten betraute der Verleger den in Göttingen promovierten Theologen Erwin Fahlbusch (1926–2007). Der umfangreiche Inhalt wurde auf 3.000 Überblicks-, Haupt- und Nebenartikel konzentriert und so dargestellt, dass sich auch kompliziertere Zusammenhänge ohne theologisches Fachwissen erschließen. Aufgrund einiger Übernahmen aus dem schwedischen »Nordisk Teologisk Uppslagsbok« (1952–57) und dem »Calwer Kirchenlexikon« konnte bereits 1956, also nach nur eineinhalb Jahren, der erste Textband erscheinen. Fünf Jahre später war der Vierbänder abgeschlossen.

Große Beachtung fand über Jahre der umfangreiche biografische Anhang, ein Who is Who mit rund 10.000 Personen der Kirchengeschichte und weiteren 2.000 nach dem Zweiten Weltkrieg aktiven Theologen.

Obgleich in den 1950er-Jahren nahezu zeitgleich mit dem EKL zwei weitere Kirchenlexika erschienen (1956–65 im Verlag Mohr-Siebeck die 3. Auflage von »Die Religion in Geschichte und Gegenwart«/RGG; 1957–68 bei Herder die 2. Auflage des »Lexikons für Theologie und Kirche«/LThK), wurde das praxisnahe EKL zu einem großen Erfolg, so dass bereits 1962 die 2. Auflage gedruckt werden konnte. Von den beiden ersten Auflagen wurden 12.000 Exemplare abgesetzt, von der 1980 vor allem hinsichtlich der ökumenischen Perspektiven, des gesellschaftlichen Wandels und internationaler und sozio-kultureller Einflüsse als theologische Enzyklopädie überarbeiteten dritten Auflage (1985–1997) weitere 4.000 Exemplare.

Das EKL ist ein gutes Beispiel für internationale Verlagskooperationen: 1983 wurde auf der Frankfurter Buchmesse der in Grand Rapids ansässige US-amerikanische Verlag William B. Eerdmans als Partner für eine englischsprachige Ausgabe gewonnen, die als »Encyclopedia of Christianity« erschien. Eerdmans war weit mehr als ein Lizenznehmer: Der neue Kooperationspartner wurde in den Planungsprozess der 3. Auflage integriert, adaptierte – wo notwendig – Beiträge für die englischsprachige Leserschaft und übernahm einen Teil der erheblichen Redaktionskosten.

Anhand des überkonfessionellen EKL lässt sich aufzeigen, wie ein Verlagsprodukt drei Verlegergenerationen beschäftigt und verbindet: Arndt Ruprecht fasste 1980 den Entschluss, das von seinem Vater Günther Ruprecht begründete Lexikon anlässlich des 250-jährigen Verlagsjubiläums überarbeiten zu lassen und betraute seine Tochter Reinhilde Ruprecht maßgeblich mit der Autorenbetreuung sowie der Redaktion des vierten und des Schlussbands.

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