Die Ianua
Lateinische Unterrichtswerke waren von Anfang an Bestandteil des V&R-Programms: Abraham Vandenhoeck erhielt 1735 ein königliches Privileg für eine lateinische Schulgrammatik. Carl Ruprecht, der erste Verleger der Familie Ruprecht, veröffentlichte altphilologische Werke seines Schwiegervaters Joh. Michael Heintze (1717–1790), der in Weimar ein Gymnasium leitete.
In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts setzte V&R die Produktion von Lateinbüchern aus. Nach dem Zweiten Weltkrieg ergab sich eine neue Situation, da Otto Wecker (1882–1965), Oberstudienrat am Göttinger Max-Planck-Gymnasium und eingeführter Autor lateinischer Unterrichtswerke, einen neuen Verlag suchte. Vor Kriegsbeginn hatte er bis 1942 bei Diesterweg/ Weidmann das erfolgreiche »Lateinische Unterrichtswerk. Lese- und Übungsbuch« herausgebracht. Am 29. Dezember 1948 unterzeichnete Wecker den Verlagsvertrag über ein unter dem Kürzel »I.L.L.« geführtes Werk. Der erste Band des Lehrwerks »Ianua Linguae Latinae« konnte bereits im darauf folgenden Jahr erscheinen, Band 2 folgte 1950.
In den 1960er-Jahren hatten sich die didaktischen Anforderungen verändert. Anfang 1967 fanden deshalb die ersten Gespräche mit den Autoren des Lehrwerks »Ianua Nova« statt, das sich an Schüler richten sollte, die Latein als zweite Fremdsprache lernen. Als Neuerung wartet es mit eine »Begleitgrammatik« auf. Der Herausgebervertrag mit Horst Holtermann (1925–1985) datiert vom 15. November 1970 und enthält – dies war seinerzeit ein Novum bei V&R – eine Honorargarantie. Als Autoren des ersten Bandes wurden Helmut Schlüter und Kurt Steinicke gewonnen; für den zweiten Band Heinz Papenhoff und Hans Gappa.
Die »Ianua« war in den 1970er und 1980er-Jahren das Latein-Unterrichtswerk: Mehr als 1,2 Millionen Arbeitsbücher und Begleitgrammatiken wurden seinerzeit an deutsche Schulen geliefert. Dies stellte den Göttinger Verlag auch logistisch vor große Herausforderungen. Eine langjährige Mitarbeiterin erinnert sich daran, wie »in den Gängen des Lagers täglich abholbereite Paletten standen, da nicht ein Buch übers Barsortiment ging«.
Anfang der 1990er-Jahre kam eine 2., veränderte Neubearbeitung heraus, die ebenfalls sehr erfolgreich war. »Ianua Nova« besteht in der 3., nur in der Rechtschreibung angepassten Auflage aus dem Jahr 2006 aus einem zweibändigen Text- und Übungsband, je einem Vokabel-Beiheft, je einer lektionsweise vorgehenden Begleitgrammatik sowie aus einem Übungsheft, einem Rätselheft und zwei Lehrerheften. Auch von dieser aktuellen 3. Auflage werden jährlich immer noch mehr als 10.000 Exemplare abgesetzt.
Unterstützt werden die V&R-Latein-Lehrwerke durch den online unter
www.mylatein.de verfügbaren Vokabeltrainer. Mit diesem für Schüler kostenlosen Angebot lassen sich die Vokabeln der Lateinbücher »Ianua Nova«, »Lumina« und »Intra« auf interaktive Weise trainieren. Dabei stehen drei verschiedene Methoden zur Verfügung: Eine Vokabelabfrage nach dem »Eins-aus-Vier-Prinzip«, ein Stammformentraining und ein Kreuzworträtsel für Vokabeln oder Stammformen mit Lösungen.


