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Handwörterbuch der Sozialwissenschaften


Im September 1948 legte der Göttinger Professor Reinhard Schaeder (1905–1980) dem Verlag V&R ein ausführliches Memorandum für die Veröffentlichung eines umfangreichen »Handwörterbuchs der Sozialwissenschaften vor. Die Enzyklopädie des Wissens von Gesellschaft, Staat und Wirtschaft« (HDSW) vor. Es handelte sich um nichts Geringeres als das Nachfolgewerk für das renommierte »Handwörterbuch der Staatswissenschaft«, das zwischen 1890 und 1929 in vier Auflagen bei Gustav Fischer in Jena erschienen war (4. Auflage 1923–29, 9 Bände).

Zentraler Gegenstand des fast völlig neu zu schreibenden Werks sollte die Wirtschaftswissenschaft sein. Alle anderen Sozialwissenschaften, die zu ihrem Verständnis beitragen, sollten im gebotenen Umfang berücksichtigt werden. Dazu zählten Soziologie, Politikwissenschaft, Sozialpsychologie, Bevölkerungslehre, Recht und Wirtschaftsgeographie. Auch die erst in den Jahrzehnten zuvor akademisierte Betriebswirtschaftslehre sollte vertreten sein. 

Der Plan stieß bei V&R auf großes Interesse, zumal er schon nach kurzer Zeit Zustimmung und Unterstützung bei vorab konsultierten Wissenschaftlern und beim Vorstand des traditionsreichen »Vereins für Socialpolitik« fand. Angesichts der Größe des Projekts und der drei Monate nach der Währungsreform noch ungewissen wirtschaftlichen Verhältnisse wurden die Verlage G. Fischer (damals noch in Jena, später in Stuttgart) sowie J. C. B. Mohr (Tübingen) mit ins Boot genommen. Die Federführung lag jedoch bei V&R, wo auch die Redaktion des »HDSW« installiert wurde.
Als Herausgeber wurden neben dem verantwortlichen Herausgeber Reinhard Schaeder, Erwin von Beckerath, Hermann Bente (ab 1957), Carl Brinkmann, Erich Gutenberg, Gottfried Haberler, Horst Jecht, Walter Adolf Jöhr, Friedrich Lütge, Andreas Predöhl, Walter Schmidt-Rimpler, Werner Weber und Leopold von Wiese gewonnen. Die Namen spiegeln das Spektrum der behandelten Fachgebiete. Schaeder, 1957 vom Kölner Professor für Staatswissenschaften Hermann Bente (1896–1970) abgelöst, gilt als Initiator des wirtschaftswissenschaftlichen Programms bei V&R.

Nach umfangreichen Vorarbeiten konnte die erste Lieferung des »HDSW« 1952 erscheinen. Die Zahl der alphabetisch angeordneten Stichworte (insgesamt 1.449) wurde zugunsten längerer Beiträge niedrig gehalten; ein ausführliches Verweissystem erleichterte die Orientierung. Die Gesamtauflage des 1968 abgeschlossenen »HDSW« lag bei 8.000 Exemplaren. Der Zwölf-Bänder (zzgl. Registerband) konnte nur als Ganzes, nicht in Einzelteilen erworben werden.

Da die Kenntnis der deutschen Sprache und das Ansehen der deutschen Wissenschaft im Ausland in den 1960er-Jahren weitaus größer waren als heutzutage, konnte ein beträchtlicher Teil der Auflage exportiert werden. So hatte Maruzen in Tokyo, die größte japanische Importbuchhandlung, mehr Exemplare des »HDSW« subskribiert als die gesamte Schweiz.

Schon im September 1946, also vor dem »HDSW«, hatte Schaeder die Lehrbuchreihe »Grundriß der Sozialwissenschaft« (GdS) initiiert, die den nach Kriegsende entstandenen Bedarf an grundlegender Neuorientierung befriedigen sollte. 1948/49 kamen die drei ersten Bände heraus; 1960 waren es bereits zwölf, von denen etliche mehrere Auflagen erreichten, bis der GdS in den 1980er-Jahren eingestellt wurde. 1947 trug Schaeder bei V&R den Plan einer Zeitschrift vor, der 1950 mit dem »Jahrbuch für Sozialwissenschaft« umgesetzt wurde. Der Titel wurde 1995 in »Jahrbuch für Wirtschaftswissenschaft« geändert und erscheint heute im 60. Jahrgang – als Printausgabe und elektronisch (bei GBI).

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