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Junge Kirche. Halbmonatszeitschrift für reformatorisches Christentum


Es ist sicher nicht übertrieben, die von Günther Ruprecht 1933 als Mitteilungsblatt der Jungreformatorischen Bewegung gegründete Zeitschrift »Junge Kirche« als wichtigste Publikation auf dem Gebiet der überregionalen kirchlichen Presse unter NS-Herrschaft zu bezeichnen: Die Jungreformatorische Bewegung, zu der sich in Berlin einige Theologen und Pastoren wie Walter Künneth, Hanns Lilje und Martin Niemöller aus Dahlem zusammengeschlossen hatten, lud am 9. Mai 1933 in- und ausländische Medienvertreter zu einer Pressekonferenz ins Berliner Hotel Adlon. Mit dem dort vorgetragenen »Aufruf zur Sammlung« erregte sie nicht nur einiges Aufsehen, sondern fand auch große Unterstützung in anderen Städten. Gemeinsam wollten die »Jungreformatoren« gegen die nationalsozialistische Glaubensbewegung Deutsche Christen antreten. 

Die erste Ausgabe der »Jungen Kirche«, die sich gegen die politische Gleichschaltung der evangelischen Kirche einsetzte, erschien am 21. Juni 1933. Vorangegangen waren fünf mit dem Aufdruck »vertraulich« gekennzeichnete Mitteilungen, diverse Flugblätter und eine Denkschrift. Ebenso wie der Herausgeber Hanns Lilje (1899–1977), bis 1936 Generalsekretär der Deutschen christlichen Studentenvereinigung, verfolgte Ruprecht, der zu den Gründungsmitgliedern der Jungreformatorischen Bewegung gehörte, mit der Zeitschrift das Ziel, die evangelische Kirche auf klarem Kurs zu halt und den Kirchenkampf zu dokumentieren.

Im Wissen darum, dass die Aktivitäten der »Bekennenden Kirche« von den Nationalsozialisten aufs Schärfste verurteilt wurden, es seit dem Herbst des Jahres 1933 ein Gründungsverbot für evangelische Zeitschriften gab und Günther Ruprechts Telefon von der Gestapo überwacht wurde, verlegten die Verleger die Halbmonatsschrift »Junge Kirche« 1933 in dem eigens dafür gegründeten Verlag Junge Kirche, Günther Ruprecht.

1938 verlangte das Propagandaministerium, jede Ausgabe müsse mindestens einen »positiven Beitrag« enthalten. Immer wieder wurden einzelne Ausgaben beschlagnahmt. Neben der Redaktionsleitung setzten etliche Verlagsmitarbeiter ihre Freiheit aufs Spiel, damit das Sprachrohr des kirchlichen Widerstands erscheinen konnte. Überliefert ist beispielsweise der wagemutige Einsatz des Vertriebsmitarbeiters Willy Müller: Er wurde durch einen Freund, der im Büro der Gestapo angestellt war, regelmäßig in scheinbar belanglosen privaten Telefonaten durch den Code »Falkenauge kommt« über angesetzte Durchsuchungen informiert, beschleunigte daraufhin den Versand und erreichte, dass lediglich Restexemplare beschlagnahmt wurden.

Mit der Ausgabe vom 31. Mai 1941, kurz vor dem Angriff auf die Sowjetunion, wurde die »Junge Kirche« (zusammen mit der gesamten kirchlichen Presse in Deutschland), die 1934 rund 34.000, im dritten Kriegsjahr aber nur noch 14.000 Bezieher hatte, eingestellt, um, so heißt es auf S. 322 des letzten Heftes, »Menschen und Material für andere kriegswichtige Zwecke frei zu machen«.
V&R hatte sich trotz seines Engagements für die Bekennende Kirche bei der Reichsschrifttumskammer nicht vollkommen ins Abseits manövriert: Am 12. Juni 1943 wurde der Verlag auf Anweisung der Kammer in die »Liste der zu sichernden Verlage« aufgenommen, die insbesondere solche Verlagshäuser verzeichnete, deren Programm aus Sicht der Nationalsozialisten im Sinn eines Erhalts »deutscher Traditionen und Traditionsfirmen« geschützt werden sollte.
 

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