Carl (3.) Johann Friedrich Ruprecht
Die Geschäfte übernahm sein Sohn Carl (3.) Johann Friedrich Ruprecht. Wie seine Vorfahren zog auch er mit der Übernahme der verlegerischen Verantwortung in die Verlegerwohnung in der Weenderstraße 85 um. Er war der letzte Ruprecht, der hier wohnte: 1887 wurde das neue Verlagsgebäude in der Theaterstraße bezogen.
In der Familienchronik wird Carl (3.) als zupackender, aber auch schwieriger Charakter beschrieben. Legendär ist sein Streit mit dem vehement antipreußischen Orientalisten und Theologen Heinrich Ewald (1803–1875), einem der »Göttinger Sieben« und Autor zahlreicher bei V&R erschienener Werke. Ewalds Temperament muss ebenso aufbrausend gewesen sein wie das seines Verlegers. Dies belegt ein im Verlagsarchiv erhaltenes Bündel, das Carl (3.) mit dem Vermerk »Grober Briefwechsel mit Ewald« beschriftete.
Die erste wichtige Handlung Carls (3.) war die Trennung von Verlag und Buchhandlung (1862) in zwei separate Unternehmen. Im Buchhandel genoss er durch die von ihm begründeten Fachkataloge, systematisch geordnete Halbjahresverzeichnisse für Geschichte und Geografie, für Medizin, Naturwissenschaften, Philologie und Theologie, große Anerkennung. Die Bibliografien, die er mehr als 50 Jahre lang verantwortete, wurden in großen Ballen in die ganze Welt verschickt und trugen entscheidend dazu bei, dass V&R seine seit Abraham Vandenhoeck gewachsene internationale Bedeutung stetig weiter ausbauen konnte.


