Historische Entwickelung der heutigen Staatsverfassung des Teutschen Reichs
Johann Stephan Pütter
Johann Stephan Pütter (1725–1807) kann zu Recht als Wunderkind des 18. Jahrhunderts bezeichnet werden: Im Alter von knapp 13 Jahren begann der Sohn eines Kaufmanns aus Iserlohn sein Jurastudium; mit 21 Jahren wurde er außerordentlicher, später ordentlicher Professor in Göttingen. Pütter war nicht nur ein begnadeter akademischer Lehrer: Seine Dienste als Anwalt und Staatsrechtler wurden regelmäßig vom Adel in Anspruch genommen. Auch das englische Königshaus zählte zu seinen Auftraggebern.
Wegen seiner klaren, prägnanten Ausdrucksweise war Pütter zugleich ein gesuchter Publizist. Sein wichtigstes Werk, die »Historische Entwickelung der heutigen Staatsverfassung des Teutschen Reichs«, erschien 1787 bei V&R. In der Buchbranche hatte er sich schon 13 Jahre zuvor, 1774, mit dem Rechtsgutachten »Der Büchernachdruck nach ächten Grundsätzen des Rechts geprüft« einen Namen gemacht. Pütters Lehrbücher waren begehrt und erreichten hohe Auflagen. Aufgrund seiner Schriften zur Rechts- und Verfassungsgeschichte gilt der Professor heute als erster deutscher Verfassungshistoriker.
Mit seinem freien und lebhaften Vortragsstil konnte Pütter, der seine Vorlesungen auf Deutsch hielt und nicht, wie viele Andere, auf Latein, sogar Johann Wolfgang von Goethe beeindrucken, der ansonsten eine kritische Haltung gegenüber Rechtsgelehrten einnahm und ihnen vorwarf, von Jugend an »einen abstrusen Stil« gewohnt zu sein. Der Weimarer Dichter, der mehrere Bücher Pütters in seiner Bibliothek hatte, besuchte den Juristen 1801 in Göttingen und lobte im 7. Buch von »Dichtung und Wahrheit«, Pütter habe »durch die Klarheit seines Vortrags auch Klarheit in seinen Gegenstand« gebracht.


