Vorbereitung zur Weltgeschichte für Kinder
August Ludwig von Schlözer
Sachbücher für Kinder sind keine Errungenschaft des 20. Jahrhunderts. Eines der populärsten Kinderbücher des 18. Jahrhunderts war die »Vorbereitung zur Weltgeschichte für Kinder« (1779) von August Ludwig von Schlözer (1735–1809). Der Historiker und Publizist vertrat die Ansicht, Kinder sollten möglichst früh mit Rechten, Pflichten und gelehrten Kenntnissen konfrontiert werden. Sein Geschichtsbuch enthält auch Hinweise zur didaktischen Umsetzung des Stoffs durch »fleißige Kinderlehrer«, die vom Vorlesen über das Nacherzählen bis zum Selberlesen reichen und aus dem Lehr- zugleich ein Lern- und Lesewerk machen. In der Nachschrift zur 6. Auflage (1806) betonte Schlözer, sein Büchlein sei keineswegs nur für Söhne, sondern auch für Töchter bestimmt, damit sie, »16 Jahre alt, Zeitungen lesen und vom Weltlauf vernünftige nicht kannegießerische Notiz nehmen können«.
Bei seiner Tochter Dorothea (1770–1825) fruchtete diese Erziehungsmethode: Sie lernte im Alter von vier Jahren schreiben und wurde mit fünf Jahren in Geometrie, Französisch und Latein unterrichtet. Als 16-Jährige beherrschte sie zehn Sprachen und ein Jahr später – zum 50. Jahrestag der Inauguration der Universität Göttingen (17. September 1787) – wurde sie zum Dr. phil. promoviert. Dorothea von Schlözer war damit als erste Frau in Deutschland Doktorin ihres Fachs.
Schlözers welthistorisches Kinderbuch war ein großer Erfolg: Noch zu Lebzeiten des Autors wurde es ins Lateinische, Ungarische sowie zweimal ins Französische übersetzt und zum Vorbild zahlreicher anderer Autoren, darunter der Historiker Simon Dubnow (1860–1941), dessen »Jüdische Geschichte für Kinder« (1931) 2010 in einer zweisprachigen Neuausgabe bei V&R erscheint.


