Anna Vandenhoeck führt den Verlag weiter
Nach Abraham Vandenhoecks Tod im Hochsommer 1750 führte die geschäftstüchtige Witwe Anna seine Arbeit fort. Sie prägte das Haus bis 1787, also 37 Jahre und damit wesentlich länger als Vandenhoeck selbst. Um ihre Kräfte und Mittel auf Verlag und Buchhandlung konzentrieren zu können, hatte sie bereits am 2. August 1751 die Druckerei an die ab 1737 in Göttingen ansässige Druckerei Schultze verkauft.
Doch auch das Sortiment bereitete Sorgen: Anna Vandenhoeck war – mehr noch als ihr Ehemann – darauf bedacht, fremdsprachige Literatur anzubieten, um die Bedürfnisse der Professoren optimal zu erfüllen. Dies war auch deshalb wichtig, weil immer wieder neue Konkurrenz in die aufblühende Universitätsstadt drängte: Victorinus Bossiegel gründete 1751 eine Buchhandlung in Göttingen (die 1797 an V&R verkauft wurde). Parallel dazu diskutierten Regierungsvertreter und Professoren die Gründung einer »Weltbuchhandlung«. Mit ihr wollten die Gelehrten den Unzulänglichkeiten des Buchhandels begegnen, durch die ihrer Auffassung nach das Erscheinen wichtiger Werke sowie der Import ausländischer und der Export deutschsprachiger Werke behindert wurde. Als Startkapital der Aktiengesellschaft war die astronomische Summe von 100.000 Reichstalern im Gespräch, die von den Gelehrten selbst aufgebracht werden sollte.
Die »Weltbuchhandlung« wurde nicht realisiert, aber der niederländische Buchhändler Elias Luzak, der als Geschäftsführer vorgesehen war, siedelte sich 1754 in Göttingen an, wodurch die Verlegerin einen weltgewandten neuen Wettbewerber bekam.


