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Versuch Schweizerischer Gedichte

Albrecht von Haller


Der Berner Patrizier, Mediziner, Botaniker und Dichter Albrecht von Haller (1708–1777) war ein Universalgelehrter, allerdings keiner, der am liebsten von der Umwelt abgeschottet in der Studierstube forschte, sondern ein wissenschaftlicher »Networker« in einem sehr modernen Sinn. Hallers Nachlass umfasst rund 17.000 Briefe, die er mit 1.200 Zeitgenossen wechselte und durch die er sich manche Reise ersparte.

1736 gelang es den Gründern der Göttinger Universität, den bereits hoch angesehenen 28-Jährigen auf den Lehrstuhl für Anatomie, Chirurgie und Botanik zu berufen. Hallers Annahme ließ man sich etwas kosten: Ihm wurde ein Wohnhaus errichtet, gleich daneben ein »Theatrum Anatomicum« sowie ein weitläufiger Botanischer Garten. Gegenüber erreichte der reformierte Schweizer, erstmals im lutherischen Göttingen, die Genehmigung zum Bau einer Kirche für die Reformierte Gemeinde (der indessen erst 1753 realisiert wurde). Da auch der reformierte Holländer Vandenhoeck dieser Gemeinde angehörte, gab es sicher manche Gelegenheit für ihn, Haller näherzukommen. Jedenfalls wurde er dessen Verleger in Deutschland. 

Die weiteste Verbreitung erzielte Haller als Dichter beim lesenden Publikum mit seinem Band »Versuch Schweizerischer Gedichte«, deren erste drei Auflagen noch in Bern erschienen waren, deren vierte bis sechste Auflage er jetzt Vandenhoeck anvertraute (1748–51).
Der besonderen Auswirkung dieses Bandes wegen eröffnet dieser hier den Abschnitt »Geisteswissenschaft«. Von Auflage zu Auflage erweitert enthält er Gedichte vaterländischen, persönlichen, lehrhaft moralischen Inhalts, Lobgedichte auf hochgestellte Persönlichkeiten und Naturgedichte. Das größte Aufsehen erregte darin das 400 Verse umfassende Poem »Die Alpen«, das der Einundzwanzigjährige nach einer botanischen Alpenwanderung verfasste. Es geriet zu einem Loblied auf das bis dahin wegen seiner schroffen Unwirtlichkeit allgemein eher gemiedene Gebirge und pries dort die Schönheit der Natur und die genügsame, bodenständige Schlichtheit der Bergbevölkerung im Gegensatz zu dem verderbten Leben der Städter.

Das kulturkritische Gedicht verfehlte seine Wirkung auf die zahlreiche Leserschaft nicht; in deren Köpfen hellte sich das bisher finstere Bild der Alpen auf. Die Bergwelt wurde bald anziehend für den Tourismus. Für die Geschichte der Medizin waren zwei seiner bei Vandenhoeck erschienenen Werke bahnbrechend: der anatomische Atlas »Icones Anatomicae«, in acht großformatigen Faszikeln (1747–54), für den er hervorragende Zeichner und Kupferstecher engagierte; sowie der 1747 gleichzeitig in einer lateinischen und deutschen Fassung veröffentlichte Titel »Kurzgefaßter Grundriß der Physiologie für Vorlesungen«, der vier Auflagen erlebte und in zahlreiche Sprachen übersetzt wurde.
 

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